GORmin: Governance- und Management-Optionen für die Gewinnung strategischer Rohstoffe in Deutschland

Die Nachwuchsgruppe „GORmin“ untersucht soziokulturelle und soziotechnische Faktoren der Gewinnung wirtschaftsstrategischer Rohstoffe in Deutschland. „Rohstoffgewinnung“ wird dabei als soziales System verstanden. Es geht darum, Entwicklungsdynamiken zu identifizieren, welche die Methoden- und Technologieentwicklung mitbestimmen. Darauf aufbauend, werden Governance- und Managementoptionen erarbeitet. Das Projekt wird im Rahmen der Fördermaßnahme „r4 – Innovative Technologien für Ressourceneffizienz – Forschung zur Bereitstellung wirtschaftsstrategischer Rohstoffe“ gefördert. „r4“ sichert Hightech-Ressourcen und damit Zukunft.

Rohstoffgewinnung als soziales System

Rohstoffgewinnungsmethoden samt den dazugehörigen Technologien werden in gesellschaftlichen Zusammenhängen entwickelt. Die Gewinnung wirtschaftsstrategischer Rohstoffe ist damit nicht nur eine technische, sondern auch eine soziale Angelegenheit. Die Nachwuchsgruppe „GORmin“ (Governanceoptionen für die akzeptable Gewinnung wirtschaftsstrategischer Ressourcen aus primären und sekundären Lagerstätten in Deutschland) analysiert soziokulturelle Faktoren der Technologieentwicklung hinsichtlich der genannten Zielstellung. Soziokulturelle Faktoren sind Akteursinteressen, Normen und Werte.

Team GORmin

Das Forschungsteam „GORmin“ untersucht soziologische Aspekte der Rohstoffgewinnung.

UFZ

Der Forschungsansatz folgt dem Verständnis der „Rohstoffgewinnung“ als soziales System, dessen Entwicklungsdynamiken es zu erforschen lohnt. Denn ihr Verständnis bietet Ansatzpunkte zur nachhaltigen Gestaltung des Systems. Im Rahmen des Forschungsprojekts werden sowohl die Ressourcengewinnung aus primären Lagerstätten (natürliche Mineralvorkommen) als auch aus sekundären Lagerstätten (beispielsweise Hausmüll- und Deponien bergbaulicher Reststoffe) betrachtet. Dabei werden die zugrunde liegenden gesellschaftlichen Bedingungen, soziotechnische Kontroversen sowie Konflikte berücksichtigt. Ebenso den weiteren Verlauf prägende Vorgeschichten, die mit der Rohstoffgewinnung verbunden sind. Im Fokus steht das komplexe Zusammenspiel von Akteuren: oberer, mittlerer und unterer Behörden, Unternehmen und Forschungseinrichtungen, nationaler, regionaler und lokaler Politik, nichtstaatlicher Organisationen (NGOs) sowie der Bürger. Diese Interaktionen werden im Rahmen konkreter Projekte zur Rohstoffgewinnung, beziehungsweise zur Entwicklung innovativer Rohstoffgewinnungstechnologien, untersucht. Darüber hinaus werden Praktiken wie Kommunikation, Interaktionen von Akteuren sowie Entscheidungen, die mit der Rohstoffgewinnung und der damit verbunden Methoden- und Technologieentwicklung einhergehen, vergleichend analysiert. Hierbei wird auch auf Fragen zum Umgang mit Unsicherheiten und Nichtwissen bei der Entwicklung von Technologien und Methoden Bezug genommen.

Akteursvielfalt bestimmt Technologieentwicklung

Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass Technologieentwicklung zur Rohstoffgewinnung nicht allein durch „klassische“ Akteure aus Forschung und Entwicklung vorangetrieben wird. Vielmehr deuten sich neu konsti­tuierte Akteursverbünde sowie Netzwerke (Recyclingnetzwerke und Plattformen zur Ressourceneffizienz) an, die auf die Beteiligung der Zivilgesellschaft, beispielsweise von Verbänden, bauen und technische Entwicklungsnischen besetzen. Diese neue „Akteursvielfalt“ bedingt neue Kooperationsmuster beispielswiese zwischen lokaler und Bundespolitik, Verwaltungen und neu entstehenden Unternehmen.

Aufbauend auf dieser sozialwissenschaftlichen Analyse werden in Anlehnung an theoretische Ansätze, die auf soziale Netzwerke, Technologiegestaltung und Methodenentwicklung abzielen, Governance- und Managementoptionen zur nachhaltigen Gestaltung der heimischen Rohstoffgewinnung erarbeitet. Hier finden insbesondere aktuelle sozialwissenschaftliche Arbeiten über partizipative und nachhaltige Technikgestaltung wie Realexperimentdesigns, verantwortungsvolle Innovationen sowie zur transdisziplinären Beteiligung von nichtwissenschaftlichen Akteuren aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsbereichen Berücksichtigung.

GORmin schließt Forschungslücke

Die Nachwuchsgruppe „GORmin“ adressiert damit eine Forschungslücke. Diese ergibt sich aus der bisher kaum beachteten sozialwissenschaftlichen Perspektive im Bereich der Rohstoffgewinnung in Deutschland, die in anderen industriellen Sektoren (beispielsweise IT, Nanotechnik, Maschinenbau und Robotik) längst berücksichtigt wurde.

Das Forschungsdesign baut auf Fallstudien auf, die in unterschiedlichen geografischen Regionen Deutschlands liegen und unterschiedliche Lagerstätten sowie Gewinnungsmethoden in den Blick nehmen. Die empirische Datengrundlage zur Analyse der Fallstudien wird durch Experteninterviews sowie Sekundärdaten (regionale Rohstoffstrategien, Projektberichte und Dokumentationen, behördliche Informationen und wissenschaftliche Literatur) erstellt und nach Standards der vergleichenden empirischen Sozialforschung analysiert. In den letzten beiden Jahren der Laufzeit des Projekts werden entwickelte Gestaltungsoptionen beispielhaft umgesetzt. Die Arbeiten erfolgen in enger Kooperation mit anderen im Rahmen der r4-Maßnahme geförderten Projekten.