ResErVar: Forscher erkunden das Geopotenzial wirtschaftsstrategischer Metalle in Deutschland

Welches Potenzial an wertvollen Rohstoffen verbirgt sich in bekannten Erzlagerstätten im Siegerland, Harz, Erzgebirge und Schwarzwald? Im Projekt „ResErVar“ erkunden Arbeitsgruppen verschiedener Universitäten gemeinsam mit dem Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie diese Vorkommen und bewerten das Geopotenzial daraufhin neu. Dabei haben sie vor allem wirtschaftskritische Rohstoffe wie Kobalt, Antimon, Indium oder Wolfram im Blick. Das Projekt wird im Rahmen der Fördermaßnahme „r4 – Innovative Technologien für Ressourceneffizienz – Forschung zur Bereitstellung wirtschaftsstrategischer Rohstoffe“ gefördert. „r4“ sichert Hightech-Ressourcen und damit Zukunft.

Erkundungstour der „ResErVar“-Beteiligten in die Bergbauregion Harz

Erkundungstour der „ResErVar“-Beteiligten in die Bergbauregion Harz.

Marius Kern

Potenziale bekannter Lagerstätten

Der Rohstoffbedarf für Schlüsseltechnologien in den Bereichen Energie und Mobilität nimmt stetig zu. Die dazu benötigten Hightech-Metalle sind oft in geringen Konzentrationen an Lagerstätten gebunden, von denen in der Vergangenheit meist nur das Hauptmetall gewonnen wurde. Beispielsweise begleiten die Elemente Wolfram, Molybdän, Indium und Lithium häufig Zinn­lagerstätten. Das Potenzial dieser bisher nicht gewonnenen Nebenprodukte ist als hoch einzustufen.

Damit der steigende Rohstoffbedarf in Zukunft gedeckt werden kann, gilt es, das heimische Potenzial unter Berücksichtigung der Hochtechnologiemetalle (Seltene Erden, Gallium, Germanium, Indium oder Kobalt) neu zu bewerten und neue Erkundungsgebiete ausfindig zu machen. Zielführende Erkundungsstrategien und Regionen mit hohem Erkundungspotenzial müssen definiert werden.

Die Daten dafür beziehen die Wissenschaftler der RWTH Aachen, der TU Clausthal, der TU Bergakademie Freiberg und der Universität Tübingen aus den vier ihnen geographisch nahen Regionen – dem Siegerland (Aachen), dem Harz (Clausthal), dem Erzgebirge (Freiberg) und dem Schwarzwald (Tübingen).

Vier Regionen im Fokus

Alle vier Bergbauregionen liegen im sogenannten variszischen Gebirgsgürtel, der sich in seiner Gesamtheit von Nordamerika bis Osteuropa erstreckt. Das Variszikum entstand vor circa 350 bis 330 Millionen Jahren, als die zwei großen Landmassen Laurussia und Gondwana kollidierten und den Superkontinent Pangäa formten. Die Erkundung in den Gesteinsserien des Variszikums steht im Mittelpunkt des Projekts „ResErVar“, weil hier die höchste Dichte von Erz- und Spatlagerstätten auftritt.

Das Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie ist Koordinator des Verbundprojektes. Neben dem regionalen Schwerpunkt, ist jeder Partner Spezialist für mindestens eine Methode, die zur Untersuchung der Erzvorkommen und deren Rahmengesteine angewandt wird. Jeder Partner stellt seine Expertise – beispielsweise zur Analytik oder Modellierung – allen Arbeitsgruppen zur Verfügung.

Aufbau einer Graduiertenschule

Mit den vier Standorten soll eine weitere Vernetzung der oben genannten Kompetenzzentren für Lagerstättenforschung geschaffen werden. Dazu plant das Verbundprojekt auch den Aufbau einer Graduiertenschule. Das Programm zur Förderung des geowissenschaftlichen Nachwuchses soll Doktoranden der Lagerstättenforschung ein umfassendes Wissen über die Entstehung des variszischen Gebirgsgürtels und seiner mineralischen Lagerstätten vermitteln. Es beinhaltet unter anderem mehrtägige Workshops und wissenschaftliche Exkursionen, zu denen auch eine begrenzte Anzahl Doktoranden anderer Universitäten, die sich mit heimischen Lagerstätten beschäftigen, eingeladen sind.

Forscherim Siebertal

Untersuchungen im Siebertal, Harz.

ResErVar

Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sollen richtungsweisend für nachfolgende detaillierte Erkundung sein. Um die Anwendbarkeit der Resultate im Blick zu behalten, wurde ein projekt­begleitender Industriebeirat gegründet, der aus Vertretern der Staatlichen Geologischen Dienste und der Industrie der vier oben genannten Regionen besteht.